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Ordnungsblockade : "Ich komme im Haushalt nicht hinterher weil zu viel liegengeblieben ist"

  • vor 2 Tagen
  • 6 Min. Lesezeit
Ich komme im Haushalt nicht hinterher - Deine klare Linie

Der Bügelhaufen ist mindestens drei Wochen alt.

Eigentlich willst du dir ein System überlegen, damit nicht ständig solche Berge entstehen, aber die letzten Wochen waren wirklich extra stressig. Deswegen ist der Bügelhaufen leider nicht die einzige Baustelle.

Gerade jetzt könntest du ein besseres System brauchen, aber es einfach anzufangen, während der alte Berg noch da liegt?

Das geht nicht.

Erst muss das weg, auf Null sozusagen. Vorher kannst du nicht an neue, bessere Lösungen denken.

Also sitzt du da und starrst auf den Berg. Der ist inzwischen so groß, dass allein der Gedanke daran dich erschöpft, aber morgen bügelst du bestimmt, oder am Wochende.

Und währenddessen wächst der Berg weiter. Das neue System, das du dir überlegen wolltest, bleibt ein vager Plan in deinem Kopf, mit dem nichts passiert weil du zuerst den Rückstau aufholen musst.

Und das schaffst du nicht.

Ich kenne dieses Gefühl: Ich komme im Haushalt nicht hinterher und bin in einer Schleife gefangen, aus der es keinen Ausweg gibt, weil die aktuellen Aufgaben mich schon so weit auslasten, dass zum Rückstau aufräumen weder Zeit noch Energie da sind.


Nachholen als Ordnungsfalle

Es gibt da diese Stimme im Kopf. Sie sagt: "Du kannst doch nicht einfach weitermachen, wenn noch so viel Altes rumliegt."

Das wäre unverantwortlich, unordentlich und einfach falsch. Diese Stimme klingt vernünftig, denn sie klingt nach Ordnung, nach Struktur und nach "so macht man das richtig". Aber in Wirklichkeit ist sie die Stimme, die dich lähmt.

Denn die Wahrheit ist: Wenn du erst alles nachholen musst, bevor du anfangen kannst, dann fängst du nie an.

Der unsortierte Papierkram, der sich seit Monaten (oder Jahren) stapelt. Das alte Playmobil der Kinder, das du sortieren willst, bevor du es verkaufst. Die Zeitschriften, die du noch lesen willst. Und das Bad wolltest du eigentlich schon vorgestern putzen.

All diese unfertigen Aufgaben werden zu einem unsichtbaren Zaun, der dich davon abhält, überhaupt etwas zu verändern.

Und während du darauf wartest, dass du genug Energie hast, den Rückstau aufzulösen, vergeht Zeit.

Neue Post kommt an und neue Bügelwäsche kommt dazu. Neue Zeitschriften warten auf dich und das Bad putzt sich auch nicht von alleine. Nur der Playmobil-Berg wird hoffentlich nicht noch größer, aber jedes Mal, wenn du im Keller an den Kisten vorbeiläufst, kommt das schlechte Gewissen.

Und das alles macht die Lähmung noch stärker.


Was wirklich passiert, wenn du nicht aufholst

Deswegen hör mir zu, wenn ich dir etwas sage, das sich vielleicht falsch anfühlt, aber wahr ist: Du darfst Aufgaben ausfallen lassen.

Ich weiß, das fühlt sich wie Scheitern an.

Aber überleg mal:

Was bringt es dir, wenn du wochenlang nicht mit dem neuen System anfängst, weil du erst den alten Kram erledigen willst und dann beides nicht passiert?

Wenn du auch die neuen Zeitschriften nicht liest, weil die alten noch warten oder wenn du die Schmutzwäsche liegen lässt, weil die ungebügelten Sachen noch da liegen?

Und was ist so schlimm daran, wenn das Bad ein paar Tage länger schmutzig ist?

Nichts davon ist ideal, aber was bringt es dir, wenn der Gedanke an den Rückstau so viel Energie kostet, dass du für gar nichts mehr Kraft hast?

Denn in Wahrheit ist nicht der Rückstau das eigentliche Problem, sondern die Tatsache, dass er dich blockiert, irgendetwas zu verändern.


Was ist mit dem Rückstau?

Vielleicht denkst du jetzt: "Aber der alte Kram ist doch trotzdem noch da. Den kann ich doch nicht einfach ignorieren."

Doch, kannst du. Zumindest erstmal.

Du hast vier Möglichkeiten mit einem Rückstau umzugehen:

  • Du arbeitest den Rückstau komplett ab – Das ist die Variante, die sich "richtig" anfühlt. Aber seien wir ehrlich: Wenn du das könntest, hättest du es längst getan. Die Energie dafür ist nicht da, sonst gäbe es den Rückstau nicht.

  • Du findest eine Minimal-Lösung – Papiere grob nach Jahren sortieren, bei den Zeitschriften nach einem Blick auf den Titel entscheiden, nur das Klo und das Waschbecken sauber machen, nur Hemden und Blusen bügeln. Das sind Beispiele für Minimal-Lösungen, bei denen du etwas tust, ohne dass es zu viel wird.

  • Du parkst die Sachen – Du nimmst den ganzen alten Kram und packst ihn irgendwohin, wo er erstmal aus dem Weg ist. In einen Karton, in einen Schrank, in die Garage. Beschriftet, damit du weißt, was drin ist, falls du es doch mal brauchst. Der Papierstapel liegt da schließlich schon seit Jahren, da kann er noch eine Weile länger warten. So sind die Sachen nicht mehr mitten in deinem Alltag, wo sie dich jeden Tag daran erinnern, was du alles noch nicht geschafft hast.

  • Du lässt es einfach ausfallen – Du entscheidest, dass diese Aufgabe dieses Mal nicht gemacht wird und räumst die Wäsche einfach so in den Schrank und lässt das Bad einfach etwas länger schmutzig. Du verkaufst oder verschenkst das Playmobil unsortiert, mitsamt den eingearbeiteten Playdoh-Resten und wirfst die Zeitschriften ungelesen ins Altpapier.


Option 1 funktioniert nicht, das wissen wir schon. Die anderen Optionen haben (neben dem Gefühl, irgendwie falsch zu sein) etwas gemeinsam: Sie erlauben dir, jetzt in die Zukunft zu starten, ohne dass du erst Wochen oder Monate brauchst, um auf Null zu kommen, während sich neue Sachen ansammeln.

Und das wäre doch schön, oder?


Für die Zukunft darfst du es dir auch einfacher machen. Denn du darfst Aufgaben (für dich) ganz abschaffen. Das ist ein großes Thema, bei dem viel mitspielt, aber dabei geht es im Grunde um Themen wie Verantwortung abgeben, Hilfe einfordern oder Aufgaben auslagern.

Du kannst aber schon jetzt auf der praktischen täglichen Ebene damit anfangen: Auf Dauer nur noch das allernötigste Bügeln, Abos abbestellen, Papiere sofort in wenige Kategorien sortieren, einen Putzplan fürs Bad machen, bei dem alle mal dran sind.


Das neue System ist für die Zukunft, nicht für die Vergangenheit

Solche Änderungen klingen machbar, aber dann kommt oft wieder der Denkfehler, der dich blockiert:

Du glaubst, ein neues System muss sofort für alles gelten. Für den ganzen Rückstau und für alles, was noch kommt.

Aber das stimmt nicht.

Ein System für neue Post hilft dir ab heute. Es hilft dir nicht bei den drei Schuhkartons voll alter Briefe, die seit zwei Jahren in der Ecke stehen. Und das muss es auch nicht.

Ein System für Wäsche hilft dir, damit der Kreislauf ab jetzt besser läuft. Es hilft dir nicht beim Bügelberg, der seit Wochen rumliegt. Und das ist okay.

Du darfst zwei getrennte Dinge daraus machen: Das neue System für alles, was ab jetzt kommt.

Und den Rückstau als separate Aufgabe, die du irgendwann angehst – oder auch nicht.

Sobald du das trennst, wird es leichter. Du musst nicht mehr diese riesige, überwältigende Aufgabe lösen, bevor du überhaupt anfangen kannst, sondern kannst mit dem anfangen, was ab heute neu dazukommt.


Ich komme im Haushalt nicht hinterher: Der Moment, in dem ich es verstanden habe

Bei mir hat tatsächlich das Playmobil etwas verändert. Ich habe das viele Geld gesehen, dass diese Sets gekostet haben und habe gehofft, mehr dafür zu bekommen, wenn ich sie sortiere. Was ja auch stimmen würde. Nur: Obwohl ich echt gerne sortiere, hat selbst mich der Gedanke überfordert, drei riesige Kisten Playmobil mit den Aufbauanleitungen in der Hand wieder auseinanderzufummeln. Vor allem, weil am Ende sowieso wahrscheinlich nichts vollständig wäre. Deswegen ist jahrelang nichts passiert.

Irgendwann ist mir dann aber klar geworden: Selbst wenn ich für jedes Set hinterher den Neupreis bekommen würde, sind meine Zeit und meine Nerven mir mehr Wert als das Geld.

Deswegen war meine Lösung: Ich gebe mir eine Stunde, um aus dem großen Chaos sinnvolle Pakete zu machen: Eine Schule zum Beispiel mit allen großen Teilen und ein paar Händen voll passendem Kleinkram. Und die biete ich dann genau so auf Kleinanzeigen an. Gut hat sich das nicht angefühlt, aber ich habe es gemacht und bin das Zeug losgeworden.


Wie du wirklich anfängst mit Rückstau aufräumen

Das Entscheidende für mich war dabei, mir die Erlaubnis zu geben, es für mich leichter zu machen und zwar auch, wenn die Lösung nicht optimal ist und ich es theoretisch "besser" könnte.

Und das darfst du auch.

Frag dich also nicht: "Wie bringe ich das alles in Ordnung?", sondern frag dich: "Was würde mir ab heute das Leben leichter machen?"

Und dann mach das.

Der Rückstau darf warten oder sogar komplett ausfallen, denn er hat schon genug von deiner Energie bekommen.

Du darfst anfangen, ohne fertig zu sein mit dem Alten.

Du darfst weitermachen, ohne zurückzublicken.

Du darfst dir erlauben, dass manche Aufgaben einfach ausfallen – weil deine Zeit und Energie begrenzt sind und es wichtigere Dinge gibt, als alles nachzuholen, was du mal vor Wochen oder Monaten hättest tun wollen.


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