FlyLady-Methode - Mythen und Wahrheiten
- vor 5 Stunden
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Dieser Beitrag ist Teil 2 zum Thema FlyLady. Hier findest du den ersten Beitrag, in dem ich die FlyLady-Methode kurz erkläre.
Demnächst gibt es auch noch eine genaue Anleitung mit Checklisten. Wenn du die nicht verpassen willst, dann melde dich hier für meinen Newsletter an: https://www.deineklarelinie.de/newsletter
Mir ist es so gegangen:
Ich habe mich ein paar Mal halbherzig über die FlyLady-Methode informiert und habe - vollkommen erschlagen von der wirklich schlechten Website - aufgegeben.
Dazu habe ich mal hier und mal da ein bisschen was über die Methode gehört und dann entschieden: Da muss ich mich ja rund um die Uhr nur noch um den Haushalt kümmern.
Das kam für mich nicht in Frage, denn falls du es noch nicht weißt: Ich mag zwar Ordnung, aber putzen mag ich überhaupt nicht.
Geputzt muss aber natürlich trotzdem werden, ob ich es nun mag oder nicht.
Mein Gefühl dabei war aber: Ich will nicht und so schiebe ich Aufgaben vor mir her, bis der Berg so groß ist, dass ich nicht glaube, es je zu schaffen. Du kennst das Gefühl vielleicht auch - egal ob beim Putzen oder beim Ausmisten. (Hier gibt es einen Beitrag genau dazu: Ich komme im Haushalt nicht hinterher, weil zu viel liegen geblieben ist.)
Eben weil ich Hausarbeit nicht mag, war ich auf der Suche nach einem System, mit dem es etwas einfacher wird. Und so kam dann wieder FlyLady ins Spiel. Nachdem ich mich etwas mehr mit den Grundprinzipien beschäftigt habe und die vielen zusätzlichen Aufgaben und Challenges ausblende, die man auch noch machen könnte, kam bei mir die Erkenntnis: Das ist ja überhaupt nicht so kompliziert, wie ich dachte.
Mittlerweile habe ich verstanden, worum es bei FlyLady wirklich geht. Oder zumindest glaube ich das.
Deswegen möchte ich mit ein paar Vorurteilen und Missverständnissen aufräumen und dir helfen, zu entscheiden, ob diese Methode für dich passend ist. Es handelt sich dabei übrigens um meine Meinung und meine Interpretation der FlyLady-Methode. Die weicht eventuell von der „offiziellen“ Linie ab. Mehr zu grundsätzlicher Kritik an FlyLady findest du deswegen auch in diesem Beitrag.
Also, hier sind zehn Mythen über die FlyLady-Methode:
FlyLady-Mythos Nr. 1 - Ich muss mich täglich stundenlang mit dem Haushalt beschäftigen
Das stimmt nicht.
Täglich zu putzen kann sich für für dich allerdings so anfühlen wie „stundenlang und ständig“, vor allem wenn du bisher versucht hast, das Thema Haushalt nebenher oder in Großaktionen am Wochenende in den Griff zu bekommen.
Aber der Punkt der FlyLady Methode ist es gerade, die Haushaltstätigkeiten zeitlich fest zu begrenzen und am Wochenende soweit wie möglich frei zu haben.
Du wirst sehr oft einen Timer benutzen und die Methode fordert dich ausdrücklich dazu auf, aufzuhören wenn die Zeit abgelaufen ist, auch wenn du noch nicht mit der Tätigkeit fertig bist. Das klingt unlogisch, wenn man weiterkommen möchte, aber die Wirkung liegt in den wiederkehrenden Routinen. Indem du immer wieder an die gleichen Orte und zu den gleichen Aufgaben kommst, kümmerst du dich nach und nach um jede Ecke. In vielen Fällen sogar öfter, als du es bisher machst. Dadurch kann sich weniger Chaos und Schmutz ansammeln und es geht immer schneller.
FlyLady-Mythos Nr. 2 - Die FlyLady-Methode ist starr und unflexibel
Auch das stimmt nicht. Das Vorurteil ist aber der Grund, warum so viele der Methode keine echte Chance geben.
Zum Beispiel sollst du jede Woche einmal deine Handtasche und dein Auto aufräumen. Du hast kein Auto? Das ist der Punkt, an dem bei Vielen schon mit der Gedanken kommt „das passt überhaupt nicht zu mir“ und sie die Methode aufgeben.
Aber natürlich kannst du dir auch einen anderen kleinen Bereich zum wöchentlichen Aufräumen aussuchen. Du darfst ausdrücklich alles so anpassen, wie es für dich passt: Du kannst die Zonen anders einteilen, Tätigkeiten weglassen und dafür andere hinzufügen. Das Einzige, an dem ich nicht rütteln würde, sind die drei grundsätzlichen Zyklen (Baby Steps, Tagesfokus und Zonenreinigung).
FlyLady-Mythos Nr. 3 - Die FlyLady-Methode ist kompliziert
Dazu sage ich: Jein.
Am Anfang scheint es viel auf einmal – keine Frage.
Die verschiedenen Tätigkeiten auseinander zu halten und sich daran zu erinnern, sie tatsächlich zu erledigen, ist nicht so einfach. Deswegen können Checklisten oder Erinnerungen im Handy hilfreich sein, um dich daran zu erinnern, was du wann machen willst.
Außerdem geht es mit den Baby Steps los, also ganz kleinen Aufgaben, die du über einen Zeitraum von 31 Tagen nach und nach einführst. Tagesfokus und Zonenreinigung kommen erst, wenn du die Baby Steps verinnerlicht hast.
FlyLady-Mythos Nr. 4 - Ich muss immer Schuhe tragen
Wenn du keine Ahnung von FlyLady hast, klingt das wie ein absurdes Vorurteil, aber ja, bei der FlyLady-Methode wird empfohlen, dass du dich komplett anziehst, auch wenn du „nur“ Hausarbeit machst. Also kein Schlabberlook, sondern so, als wenn du aus dem Haus gehen würdest, inklusive Schuhe.
Hierzu gehen die Meinungen auseinander. Für die einen ist es eine reaktionäre Vorstellung, als sei man eine 50er-Jahre-Hausfrau, die ihren heimkehrenden Ehemann gestylt und mit einem Lächeln auf den Lippen den Mantel abnimmt.
Für andere ist es der Gedanke, dass Hausarbeit auch Arbeit ist und man ihr mit genau so viel (Selbst-)respekt begegnten sollte, wie man es bei Arbeit außerhalb des Hauses tut.
Du entscheidest, welche Interpretation dich mehr überzeugt.
Und zu den Schuhen: In den USA, wo die Methode herkommt, ist es sehr viel üblicher, auch im Haus Schuhe zu tragen. Deswegen gehören zum Outift auch die Schuhe dazu. Dazu zwingt dich aber niemand und wenn du nie im Haus Schuhe trägst, dann darfst du natürlich dabei bleiben.
FlyLady-Mythos Nr. 5: Ich muss alles alleine machen
Definitiv nicht.
Eine der Empfehlungen der FlyLady-Methode ist es, mit Checklisten zu arbeiten. Damit kannst du sichtbar machen, welche Aufgabe an welchem Tag oder in welcher Woche ansteht, so dass auch andere Familienmitglieder sich selbstständig daran beteiligen können oder du Aufgaben übertragen kannst. Sie stehen immerhin – inklusive Zeitangabe – auf der Liste. Du sollst also definitiv nicht als Einzelkämpferin dastehen.
FlyLady-Mythos Nr. 6: FlyLady eignet sich nicht für Berufstätige
Egal ob du Vollzeit berufstätig oder Vollzeit zu Hause bist oder versuchst, beides zu jonglieren: Aufgaben im Haushalt fallen an und müssen erledigt werden.
Die FlyLady-Methode möchte dir helfen, sie besser in deinen Alltag zu integrieren. Sie sollte dir nicht das Gefühl geben, dass du dich in eine Superhausfrau verwandeln musst, bei der kein Staubkörnchen zu finden ist.
Insgesamt dauern die Aufgaben im Schnitt nicht länger als eine Stunde pro Tag und sind zum größten Teil Dinge, die du sowieso schon machst. Nur bisher vielleicht in einer Hauruck-Aktion am Samstag. Der einzige längere Tag ist das sogenannte „Home Blessing“ und hier gibt es explizit die Möglichkeit, die Aufgaben auf verschiedenen Tage zu verteilen.
FlyLady-Mythos Nr. 7: FlyLady funktioniert nicht für Menschen mit körperlichen Einschränkungen oder psychischen Erkrankungen
Zum Thema körperliche Einschränkungen oder auch psychische Erkrankungen ist meine Meinung: Setz die Methode so um, wie du es kannst. Es geht viel darum, eine bestimmte Zeit mit einer Aufgabe zu verbingen und weniger darum, fertig werden zu müssen. So besteht weniger Gefahr, dass du dich überforderst, denn du darfst und sollst aufhören, wenn die Zeit vorbei ist. Und wenn 15 Minuten am Stück dir zu viel sind, kannst du die Zeit natürlich auch reduzieren oder aufspalten.
FlyLady-Mythos Nr. 8: FlyLady ist nichts für Menschen mit ADHS
Menschen mit ADHS haben ganz unterschiedliche Meinungen über FlyLady.
Meine Erfahrung ist, dass negative Meinungen oft daher kommen, dass angesichts der Menge an Informationen zur Methode und Verwirrung darüber, was sie tatsächlich bedeutet, der Blick auf das Wesentliche verloren gegangen ist: Routinen zu etablieren, die dir das Leben leichter machen.
Ich glaube, sie ist eigentlich sehr gut geeignet für Menschen mit ADHS, weil sie feste Strukturen gibt ohne zu viel zu werden. Außerdem sind Timer und Checklisten explizit Teil der Methode, beides Möglichkeiten, um das Am-Ball-Bleiben zu erleichtern.
FlyLady-Mythos Nr. 9: Die FlyLady-Methode hilft nicht, wenn ich großes Chaos habe
Hier sage ich Jein.
Die begrenzten täglichen Zeiten sind auf jeden Fall hilfreich, um beim Thema Haushalt wieder in die Gänge zu kommen. Du darfst die 15 Minuten bei der Zonenreinigung nämlich auch zum Aufräumen oder Ausmisten verwenden. Mit der Zeit wird das Chaos weniger werden., was aber lange dauern kann und wahrscheinlich auf Kosten des Putzens gehen wird. Deswegen ist es bei großem Chaos sicher sinnvoll, zusätzliche Zeit zum Aussortieren einzuplanen. Anders als bei den täglichen Aufgaben rund ums Putzen und Aufräumen ist zumindest der große Teil es Aussortierens irgendwann abgeschlossen, so dass du es als als separates Projekt betrachten kannst.
FlyLady-Mythos Nr. 10: Die FlyLady-Methode beinhaltet nicht alle Haushaltstätigkeiten
Das stimmt.
Während manche Dinge vielleicht öfter vorkommen, als du sie machen würdest (jede Woche Bettwäsche wechseln zum Beispiel) kommen Keller, Dachboden oder auch der Garten nicht vor. Hier bist du gefragt, indem du die Zonen und Aufgaben so anpasst, dass alle für dich wichtigen Bereiche dabei sind.
Mahlzeiten zubereiten ist ebenfalls nicht Teil der FlyLady-Routinen.
FlyLady-Methode -Mythen und Wahrheiten
Das war meine Meinung zu ein paar Mythen und Wahrheiten über die FlyLady-Methode.
Wenn du noch einen grundsätzlichen Überblick über die Methode möchtest, findest du den hier: Die FlyLady-Methode im Überblick.
Und wenn du genug Details möchtest, um wirklich damit anzufangen: Demnächst kommt hier im Blog eine genaue Anleitung. Melde dich für meinen Newsletter an, um sie nicht zu verpassen: https://www.deineklarelinie.de/newsletter
Kritik an der FlyLady-Methode
Bei all den guten Ansätzen der Methode, möchte ich auch die wesentliche Kritik daran nicht verschweigen. Dabei geht es weniger um die Aufgaben an sich, sondern um den politischen Hintergrund und um die Art, wie Marla Cilley die FlyLady-Methode kommuniziert.
FlyLady wird oft kritisiert, weil das System aus konservativen US-Hausfrauenstrukturen stammt. Dazu gehört die Vorstellung, dass Frauen allein für Ordnung verantwortlich sind und dass Hausarbeit eine moralische oder sogar gottgewollte Aufgabe darstellt.
FlyLady arbeitet mit emotionalen Botschaften, die manche motivierend finden, die für andere aber zu viel sind, weil Hausarbeit oft als Ausdruck von Selbstliebe, Dankbarkeit oder als spiritueller Aufgabe dargestellt wird. Dadurch entsteht moralischer Druck, wie der Gedanke: „Eine gute Frau sorgt liebevoll und dankbar (und gestylt) für ihr Zuhause“.
In Wirklichkeit ist (Un-)ordnung einfach ein physischer Zustand, der nichts mit Moral zu tun hat.
Und anstatt strukturelle Ungleichheit zwischen Männern und Frauen oder zwischen verschiedenen Lebensumständen anzugehen, vermittelt FlyLady das Bild, dass mit individueller Disziplin „alles“ zu schaffen ist. Dazu wird zum Teil eine Rhetorik verwendet, die Widerspruch oder Nachfragen im Keim erstickt und den Eindruck erweckt , dass man nur erfolgreich und glücklich werden kann, wenn man ihrem System zu 100% folgt.
Das muss man ausbelden können, wenn man seine Infos zur Methode direkt an der Quelle von Marla Cilley beziehen will. Zum Glück gibt es im Internet aber genug Anleitungen und Erfahrunsgberichte, die ohne solchen moralischen Aussagen auskommen.
Mein Fazit zur FlyLady-Methode
Insgesamt bin ich der Meinung, dass die FlyLady-Methode einen guten Einstieg bietet, wenn du das Thema Hausarbeit etwas systematischer angehen möchtest.
Routinen sind da - wie auch beim Thema Ordnung - ein wichtiger Helfer.
Allerdings empfehle ich die FlyLady-Methode nur, wenn du dich auf das Wesentliche konzentrierst (nämlich die regelmäßig wiederkehrenden Routinen), die Aufgaben so anpasst, dass sie zu deinem Leben passen und nicht den Anspruch hast, es perfekt zu machen.











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