Ein Teil nach dem anderen – Ausmisten für Überforderte
- 3. Dez. 2025
- 6 Min. Lesezeit

Normalerweise gehst du beim Ausmisten wahrscheinlich so vor: Du holst in einem Bereich alles aus Schränken, Kisten oder Regalen und sortierst, ob du es behalten willst, es weg soll oder ob es woanders in deine Wohnung gehört.
Das, was bleiben soll, räumst du wieder ein und die Sachen, die woanders hin sollen, räumst du am Ende dorthin.
Klingt logisch und funktioniert oft auch gut.
Vor der Ordnung kommt das Chaos
Damit es funktioniert und nicht in noch größerem Chaos endet, gibt es aber ein paar Voraussetzungen:
Du hast genug Zeit und Kraft, um bis zum Ende dranzubleiben, inklusive wegräumen der „woanders“-Sachen.
Du hast Platz für die „woanders“-Sachen.
Du hast zumindest einen groben Plan, welche Sachen wohin gehören.
Ein Haufen voll Entscheidungen überfordert dich nicht.
Kannst du diese Voraussetzungen nicht erfüllen, endet das klassische Aussortieren oft nicht mit Erfolg.
Ausmisten für überforderte Menschen
Genau für solche Situationen gibt es aber auch andere Ausmist-Methoden, wie zum Beispiel die von Dana K. White, die ich dir hier vorstellen möchte. Sie richtet sich speziell an Menschen, die „schon immer“ unordentlich waren oder die aus welchem Grund auch immer (körperlich, psychisch, organisatorisch) nicht die Kraft haben, längere Ausmist-Einheiten durchzuhalten. Denn sie verspricht, dass du jederzeit aufhören kannst, ohne dass das Chaos größer ist als vorher. Ich habe damit jedenfalls gute Erfahrungen gemacht, auch mit Kunden mit ADHS.
Die Ein-Teil-Methode zum Ausmisten
Das Vorgehen ist erstmal unkonventionell und wirkt nicht besonders effizient. Aber gerade wenn du mit klassischen Ausmist-Methoden Schwierigkeiten hast, kann es genau das sein, was du brauchst. Auch weil es bei den Ausmist-Entscheidungen nicht ums „mögen“ oder „brauchen“ geht, sondern nur darum, ob du Platz dafür hast. Ich nenne die Methode die „Ein-Teil-Methode“, weil du dich immer nur um ein Teil kümmerst.
Und so funktioniert die Ein-Teil-Methode:
Vorbereitung für die Ein-Teil-Methode
Du brauchst einen Plan, was mit den aussortierten Sachen passieren soll und ein paar Behälter: Schwarze Müllsäcke und alte Pappkartons, falls du Sachen spenden willst. Schwarze Müllsäcke, damit du nicht siehst, was drinnen ist und nicht anfängst, deine Entscheidungen zu hinterfragen und alte Pappkartons, damit du die Spenden nicht nochmal umpacken musst, sondern sie direkt in diesem Karton abgeben kannst. Wenn du diese Methode verwendest, kann ich dir schon sagen: Verkaufen wird für dich ziemlich sicher nicht funktionieren, deshalb brauchst du keinen extra Behälter dafür.
Such dir jetzt einen bestimmten Bereich zum Aufräumen - einen Tisch, ein Regal, eine Schublade. Die genaue Größe ist nicht so wichtig, du solltest aber den Überblick über den kompletten Bereich behalten können. Es kommt nicht darauf an, ob du den Bereich heute fertig bekommen wirst. Dieser Bereich ist für heute deine Basis, zu der du immer wieder zurückkehrst.
Schritt 1 - Einfache Entscheidungen
Du startest mit einfachen Entscheidungen, also Dingen, bei denen du schon weißt, dass sie weg sollen. Das sind Sachen, die du eigentlich schon aussortiert hast, die aber immer noch da sind oder auch einfach Müll. Hol die Stück für Stück aus deinem Bereich. Du brauchst nicht alles durchwühlen, starte mit dem, was offen zu sehen ist. Was du findest, gehört in den Müll oder in die Spendenkiste.
Schritt 2 – Wegräumen
Bringe Sachen, bei denen du weißt, wo in deiner Wohnung sie hingehören, direkt dorthin. Du fängst aber keine Kisten zum späteren Wegräumen an, sondern läufst mit allen Sachen direkt zum Zielort. Dabei nimmst du nur so viel mit, wie du bequem in den Händen tragen kannst.
Du fängst auch keine neuen Plätze an, es geht nur um Dinge, die schon einen festen Platz haben.
Wenn am Zielort kein Platz ist, suchst du dort nach Müll oder Dingen zum Aussortieren, bis genug Platz ist. Du räumst aber dort nicht auf, sondern schaffst nur so viel Platz, dass du die Dinge aus deiner Hand dazu stellen kannst. Geh zu deiner Basis zurück und wirf die Sachen, die du von woanders mitgebracht hast, in den Müll oder die Spendenkiste.
Schritt 3 – Entscheiden
In deiner Basis sind noch zwei Arten von Sachen übrig:
diejenigen, die dort hingehören und
diejenigen, die kein Zuhause in deiner Wohnung haben (wenn sie eins hätten, hättest du sie dorthin aufgeräumt).
Jetzt wird es also spannend, denn was soll damit passieren?
Dana K. White empfiehlt folgendes: Nimm ein Teil in die Hand und frage dich: „Wo würde ich danach suchen?“ Fällt dir ein guter Ort ein, bring es dorthin. Fällt dir kein Ort ein, frag dich: „Wenn ich das Teil gebraucht hätte, hätte ich noch gewusst, dass ich es habe (oder hätte ich es neu gekauft)?“
Wenn du es neu gekauft hättest, kann das Teil weg. Warum? Du weißt keinen guten Platz dafür und wusstet nicht mehr, dass du es noch hast. Es gibt keinen wirklichen Grund es zu behalten.
Wenn du dich daran erinnert hättest oder es einfach nicht aussortieren kannst, finde jetzt einen Platz und bringe es hin. Falls nötig, schaffe dort Platz für das Teil. Denk aber dran: Du weißt von der vorherigen Frage schon, dass dir kein Ort einfällt, an dem du es suchen würdest. Sei also ehrlich zu dir, ob das in Zukunft anders sein wird oder ob du wieder vergisst, wo es ist und es im Zweifelsfall sowieso neu kaufst.
Alles was jetzt übrig ist, gehört anscheinend an diesen Ort, denn: Es ist kein Müll und du würdest nicht woanders danach suchen. Für diese Sachen folgt jetzt Schritt 4.
Schritt 4 – Passend machen
Wenn alles gut in den vorhandenen Platz passt, es also noch etwas Luft hat und du kein Tetris spielen musst, um es unterzubringen: Prima, du bist hier fertig.
Wenn es nicht passt: Trenne dich von Dingen, bis es gut passt.
Die Grundidee dabei: Der vorhandene Platz ist der Behälter, der dir für diese Dinge zur Verfügung steht. Du hast in den vorherigen Schritten entschieden, dass sie hierhin gehören, das heißt, sie müssen auch hier hinein passen.
Deine Aufgabe ist es jetzt, im direkten Vergleich der Dinge zu entscheiden, was bleiben soll. Dabei geht es nicht darum, ob dir etwas gefällt oder ob du es brauchst, sondern darum, wie viel hier Platz hat. Die Frage nach schön oder nützlich hilft dir aber natürlich bei dieser Entscheidung, denn Dinge die weder das eine noch das andere sind, haben den Platz mit Sicherheit nicht verdient. Letztlich geht es dann darum, im Vergleich die „besten“ Sachen zu finden und „schlechtere“ auszusortieren, und zwar so lange, bis alles gut Platz hat.
Abschluss
Egal, ob du erst aufhörst, wenn du mit dem Bereich fertig bist oder nach fünf Minuten unterbrochen wirst: Du hast einen Bereich, der zumindest etwas ordentlicher ist, als vorher, einen Müllsack und eventuell eine Spendenkiste. Du hast aber keine leergeräumten Schränke, deren Inhalt sich jetzt auf dem Fußboden stapelt.
Ist die Ein-Teil-Methode passend für dich?
Überzeugt dich das oder stehst du jetzt vor der Frage, ob das wirklich funktioniert?
Wenn du mit der klassischen Methode zurecht kommst, dann ist alles gut. Bleib dabei, denn es geht schneller. Wenn du damit aber nicht klar kommst, dann gib der „Ein-Teil-Methode“ doch eine Chance.
Ineffizient, aber einfach
Es erscheint zwar ineffizient, mit jedem Teil einzeln wohin zu laufen, aber es ist auch sehr einfach: Ein Teil, eine Mission. Hin und zurück.
Es besteht wenig Gefahr, dass du beim Wegräumen abgelenkt wirst oder von Kisten mit etlichen Dingen für etliche Räume so überfordert bist, dass sie einfach irgendwo stehen bleiben.
Außerdem verbringst du wahrscheinlich weniger Zeit mit Hin- und Herlaufen als befürchtet, denn es gibt immer viele Bereiche, in denen (fast) nur Sachen sind, die sowieso dorthin gehören. In dem Fall sind Schritte 1 bis 3 ganz schnell erledigt und die Hauptarbeit ist Schritt 4: So lange aussortieren, bis alles gut passt.
Fokus auf den Behälter
Beim eigentlichen Aussortieren entstehen natürlich die meisten Schwierigkeiten, auch wenn der Fokus auf den vorhandenen Platz dir vieles abnimmt. Denn auch bei emotionalen Gegenständen geht es letztlich darum, einen guten Platz dafür zu finden. Kannst du das nicht, haben sie wortwörtlich keinen Platz in deinem Zuhause.
Das gleiche gilt für Dinge, die du vielleicht noch brauchen kannst. Entweder du wusstest, dass du sie hast – dann findest du einen Platz dafür (und wenn kein Platz da ist, muss etwas anderes gehen). Oder du wusstest es nicht mehr – dann hättest du es neu gekauft, wenn du es nochmal brauchst. Vielleicht hilft es deiner Erinnerung, dass du das Teil jetzt gefunden hast und bewusst irgendwo verstaust, vielleicht aber auch nicht. Das ist ein Punkt, an dem Ehrlichkeit mit dir selber wichtig ist – und die Frage, was dir mehr Wert ist: Der freie Platz für Sachen, die du sicher brauchst oder die Euros, die es kostet, wenn du es eventuell nochmal kaufst.
Ausmisten für Überfordere nach der Ein-Teil-Methode
Das war die „Ein-Teil-Methode“ nach Dana K. White, die beim Ausmisten für Überforderte hilft.
Dana hat übrigens viele sehenswerte (englischsprachige) YouTube-Videos und auch empfehlenswerte Bücher, wie „Decluttering at the Speed of Life“. Ihr aktuelles Buch heißt „Jesus Doesn't Care About Your Messy House“ und dreht sich viel um Religion, aber der religiöse Aspekt spielt in ihren anderen Publikationen keine Rolle. (Es handelt sich um Affiliate Links, d.h. wenn du das Buch über den Link kaufst, bekomme ich eine Provision.)
Die „Ein-Teil-Methode“ ist auch eine der Methoden, die du in meinem Ausmist-Kurs „Ausmist-ABC“ kennenlernst und ausprobierst, damit du dein Ordnungsprojekt mit einer Methode angehst, die für dich funktioniert.











Die Ein-Teil-Methode hört sich für mich gut an, vor allem deshalb, weil oft nur kleine Zeitfenster zum Aufräumen bleiben. Vielleicht ist das die geeignete Methode, um einen bereits geräumten Platz auch weiter frei zu halten.