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Unerwartete Gründe für Chaos


Unerwartete Gründe für Chaos - Deine klare Linie

„Das Kaffeeservice hat mir meine Mutter gegeben. Sie hat es zur Hochzeit bekommen. Ich finde es hässlich und meine Mutter mochte es auch nicht. Aber so was kann ich doch nicht einfach weggeben.“


„Warum nicht?“


„Na ja, ich habe es doch geschenkt bekommen. Und es ist von meiner Mutter.“


„Was meinen Sie, warum hat ihre Mutter es ihnen geschenkt? Vielleicht weil sie es nicht mehr wollte, sich aber auch nicht getraut hat, es wegzugeben?“


„Wahrscheinlich. Und jetzt habe ich ein Service, dass keiner will und die Schuldgefühle noch dazu.“


So oder so ähnlich lief neulich ein Gespräch mit einer Kundin im Ordnungscoaching.

Das sind die Stellen, an denen wir in die Tiefe gehen und die schwierigen Entscheidungen anstehen. Die, an denen es plötzlich nicht mehr um das Kaffeeservice geht, sondern darum, ob man eine gute Tochter ist und darum, was man seinen Eltern „schuldet“.


Unerwartete Gründe für Chaos

Die Gründe für Chaos sind klar:

  • zu viele Sachen

  • keine festen Plätze

  • keine Routinen.

Aber was führt dazu, dass es dazu kommt? Um drei Ursachen, die hinter den offensichtlichen Gründen stehen, geht es in diesem Beitrag.


Chaos entsteht Stück für Stück

Niemand entschließt sich, ab heute ist mit Absicht unordentlich zu sein.

Aber heute lässt du ein paar Kinderbilder liegen und eine Packung Tabletten, morgen gesellt sich die Post und ein bisschen Kleingeld dazu, übermorgen ein paar Stifte und ein Legostein und in einer Woche ist ein großer Berg Zeug gewachsen.


Kleinvieh macht auch Mist

„Death by a thousand paper cuts“ sagt man auf Englisch – Tod durch tausend Schnitte mit Papier.

Auf Deutsch würde man vielleicht sagen: Kleinvieh macht auch Mist.

Und wenn das nicht nur an einer Stelle in der Wohnung passiert, sondern gleichzeitig auch noch im Flur, im Bad, auf der Arbeitsplatte, dem Schreibtisch und dem Wohnzimmer ist die Unordnung irgendwann so groß, dass du nicht glaubst, jemals wieder Ordnung schaffen zu können. Aus ein paar kleinen, harmlosen Dingen sind viele, viele nicht mehr harmlose Ansammlungen heimatloser Gegenstände geworden.


Dran bleiben beim Ordnung schaffen

Damit das nicht passiert ist es so wahnsinnig wichtig, dran zu bleiben. So lange nur 5 Sachen weggeräumt werden müssen, ist das in ein paar Minuten (oder sogar Sekunden) erledigt. Sind es aber erst 100 geworden, dauert es – zumindest gefühlt – ewig.

Die Strategie ist eine tägliche(!) Aufräumrunde an viel genutzten Stellen, wie dem Esstisch, der Garderobe, der Arbeitsfläche oder dem Couchtisch. Einmal am Tag wird alles, was sich angesammelt hat, wieder an seinen Platz gebracht (Wenn du Probleme damit hast weil die Sachen keinen festen Platz haben, lies im Beitrag "Ein Platz für jedes Teil" mehr dazu, wie du das angehst.)

An seltener genutzte Stellen reicht es, seltener aufzuräumen, regelmäßig sollte es aber trotzdem sein, zum Beispiel einmal pro Woche.


Sachen sofort erledigen?

Was du nicht tun musst (aber natürlich darfst, wenn es dir hilft), ist alles immer sofort wegzuräumen. Das ist der oft gehörte Tipp, alles was weniger als x Minuten dauert, sofort zu erledigen. Ich sehe das ein bisschen anders.

Wenn es nur um einen Handgriff geht, dann klar, mach es sofort. Aber in einer Stunde drei mal mit jeweils einem Teil die Treppe hoch zu laufen, ist wenig effizient. Da macht es mehr Sinn, die Sachen sich den Tag über ansammeln zu lassen und auf einmal alles wegzubringen.


Chaos entsteht aus alten Gewohnheiten - Deine klare Linie

Chaos entsteht aus alten Gewohnheiten

Irgendwann in deinem jungen Erwachsenenleben hast du vielleicht mal alleine gewohnt.

Du hattest noch nicht viel Geld und eine kleine Wohnung, warst den ganzen Tag arbeiten und anschließend mit Hobbies oder Verabredungen beschäftigt. Samstags hast du schnell deine wenigen Habseligkeiten aufgeräumt, die Waschmaschine gestartet, kurz eine Runde geputzt und schon war wieder alles in Ordnung.


Sachen und Aufgaben sammeln sich an

Jetzt hast du einen Partner, vielleicht auch Kinder und Haustiere. Auf jeden Fall eine größere Wohnung oder sogar ein Haus mit Garten.

Du hast in den Jahren seit der ersten Wohnung viele Dinge angeschafft und dank der Kinder kommt gefühlt täglich mehr dazu. Und einen Job hast du auch.

Immer noch ist der Samstag dein Haushaltstag. Du verbringst jetzt aber den ganzen Tag mit aufräumen, putzen, waschen, einkaufen usw., wirst aber nie fertig. Und spätestens am Dienstag sieht es so aus, als wäre noch nie aufgeräumt worden.


Gewohnheiten ändern sich nicht von alleine

Das Chaos und der damit verbundene Stress entsteht aus aus alten Gewohnheiten in Verbindung mit einer neuen Lebenssituation. Du erledigst deine Hausarbeit immer noch so, wie du es als Single in einer kleinen Wohnung getan hast. Eigentlich ist klar, dass das mit Familie und Haus nicht mehr funktioniert. Du musst täglich zumindest ein bisschen dran bleiben (siehe oben), um nicht in den Zustand zu kommen, in dem du nur noch hinterher räumst. Aus dieser Erkenntnis im stressigen Alltag auch neue Gewohnheiten zu machen ist zugegeben nicht einfach.


Neue Gewohnheiten helfen

Die Zauberworte hier sind

  • Vereinfachen (Ausmisten, und zwar Sachen und Aufgaben),

  • kleine Schritte zu neuen Routinen machen (alles auf einmal ändern geht selten gut) und

  • Ansprüche reduzieren. Mit kleinen Kindern und Beruf wird es nicht so aussehen, wie auf gestylten Bildern auf Social Media.


Chaos entsteht ohne Grenzen

Katrin hat alte Kinderklamotten aussortiert. Sehr gut. Und jetzt?

Kaufen will sie keiner, jedenfalls nicht für einen Betrag, der den Aufwand lohnt.

Aber die Cousine ist doch schwanger, die nimmt sie bestimmt. Und die Cousine sagt „Ja“, auch wenn sie schon von drei Kolleginnen kistenweise Sachen bekommen hat. Dann steht sie da, in einem Berg aus Baby-Bodies und ein paar Monate später sucht sie ein neues „Opfer“ für die Sachen, von denen sie die Hälfte nicht mal aus den Tüten genommen hat.

Wer bist du in der Geschichte?

Katrin, die Cousine, die Kollegin?

Vielleicht ja alle drei.


Sind aussortierte Sachen wirklich gut gemeinte Gescheke?

Indem du immer wieder nett gemeinte „Spenden“ von anderen annimmst, holst du dir das Chaos ins Haus.

„Es ist doch noch gut“ oder „Das wäre doch zu schade zum Wegschmeißen“ sind typische Sätze, die darauf hindeuten, dass dir gerade das aussortierte Zeug von anderen angedreht werden soll.

Wenn du es wirklich brauchst und haben willst: Klar, immer her damit.


Grenzen setzen gegen Unordnung - Deine klare Linie

Grenzen setzen lohnt sich

Ansonsten lohnt es sich, Grenzen setzen zu lernen, um irgendwann „Nein danke“ sagen zu können, wenn jemand dir großzügig seine alten Kleiderbügel überlassen möchte.


Warum sich das doppelt lohnt: Wenn du Ja sagst, bekommst du nicht nur Sachen, die du nicht brauchst, um die du dich dann aber kümmern musst, sondern gratis dazu auch genau die Schuldgefühle, die dazu geführt haben, dass der alte Besitzer die Sachen nicht selber weggeworfen hat.


Schuldgefühle gibt es gratis dazu

Und wenn eine mehrmals reparierte Obstschale erst mal durch drei Generationen weitergegeben wurde, willst du bestimmt nicht derjenige sein, der sie in den Müll wirft. Stattdessen steht sie irgendwo und nimmt Platz weg, für Sachen die du eigentlich haben willst.

Vermeintlich nett gemeinte Geschenke abzulehnen, ist nicht einfach. Manchmal kann man sie damit abwehren, dass man direkt ankündigt, alles wegzuschmeißen, was man doch nicht braucht. Manchmal muss man aber auch stark sein und einfach „Nein“ sagen, um das Chaos gar nicht erst ins Haus zu lassen.


Grenzen setzen beim Einkaufen

Nein sagen und dir selber Grenzen setzen darfst du übrigens auch im Laden öfters mal – auch wenn das Angebot verlockend klingt. Alles, was du doch nicht kaufst, kann bei dir kein Chaos verursachen.


Kein schlechtes Gewissen mehr

Wie ging es bei der Kundin mit dem Kaffeeservice weiter?

Sie hat es tatsächlich geschafft, eine Entscheidung zu treffen: Nämlich, die Schuldgefühle ihrer Mutter nicht weiter auf sich zu nehmen und das Service zu verschenken – über Kleinanzeigen, an jemanden, der es wirklich will und nicht an Verwandte, die sich nicht trauen, Nein zu sagen.

Nachdem sich das erste schlechte Gewissen gelegt hatte, fiel ihr dann noch ein wirklich guter Grund ein, warum es richtig ist, das Service weiter zu geben: Anstatt als sorgfältig verpackter Müll in ihrem Keller zu liegen bis in vielen Jahren jemand anderes kommt und es wirklich in den Müll schmeißt, bekommt es so die Chance, tatsächlich genutzt zu werden.

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Ich bin Anna-Lena, deine Ordnungs-expertin aus Kassel.

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