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  • AutorenbildAnna-Lena von Wolff

Spielzeug rotieren


Titelbild Blogbeitrag Kleiderschrank ausmisten

Meine Kinder waren in einem Kindergarten, in dem es alle zwei Jahre eine besondere Zeit gab, nämlich die spielzeugfreie Zeit. Im Frühjahr hatten die Kinder drei Monate lang kein Spielzeug zur Verfügung. Zuerst war ich skeptisch, wie die Kinder das „überstehen“, aber im Nachhinein bin ich sehr froh, dass sie dabei waren.

Kurz und knapp gab es diese Regeln:

Über mehrere Wochen haben die Kinder abgestimmt, welche Spielsachen zuerst verpackt und „in den Urlaub“ geschickt werden. Am Ende war nichts mehr übrig, außer den Möbeln, ein paar Kissen und Decken und den in den Raum eingebauten Hochebenen.


Bastelsachen und Bücher waren zwar noch da, durften aber nur unter bestimmten Bedingungen benutzt werden: Die Kinder konnten sich zu mehreren zusammen tun und darum bitten, dass vorgelesen wird oder nach konkreten Dingen zum Malen oder Basteln fragen (konkret heißt: 1 Blatt, 1 Schere, 1 roter Stift, 1 blauer Stift).


Alle anderen Sachen waren einfach nicht mehr da.


So etwas ändert natürlich die komplette Dynamik in der Gruppe. Manche Kinder sind aufgeblüht, andere waren (zuerst) überfordert. Ohne die vom Spielzeug vorgegebenen „Regeln“ wurde das Spiel kreativer ( und manchmal auch wilder). Manchmal war es langweilig. Es gab Überlegungen unter den Kindern, ob Ball spielen in Ordnung ist oder ein Ball als Spielzeug zählt. Es wurde ein Uno-Spiel gebastelt (und dann nicht benutzt). Die Flure und der Garten wurden intensiver genutzt. Am Ende der Zeit haben die Kinder nach und nach die Sachen zurück geholt und wieder in ihren Alltag eingebaut.


Die Mitarbeiter:innen haben alles super aufgefangen. Einige waren schon Spielzeugfrei-Veteranen, für andere war es auch das erste mal.


Meine Kinder (damals vier und sechs) sind schnell in der neuen Situation angekommen. Genau wie sonst auch fanden sie manche Tage toll und manche nicht. Zuhause haben sie sich manchmal auf ihre Spielsachen gestürzt, an anderen Tagen wollten sie die Ideen aus dem Kindergarten weiter führen.


Mir hat es viel zu Denken gegeben.

  • Was brauchen die Kinder überhaupt um „glücklich“ zu sein?

  • Reichen vielleicht nur ganz wenige Dinge?

  • Was ist mit den vielen Wünschen nach bunten und blinkenden Dingen?

Tatsächlich gibt es viele tolles Spielsachen, die die Kreativität fördern und den Kindern helfen, in Phantasiewelten abzutauchen. Natürlich können sie sich auch wunderbar mit ein paar Stoffstücken, Körben und Stöckchen beschäftigen (Hallo Waldorfkindergarten in den 1980ern!). Ich finde es aber nicht richtig, Kindern Spielzeug nur aus Prinzip vorzuenthalten. Gleichzeitig müssen sie aber nicht alles haben, was sie in der Werbung oder bei Freunden sehen. Manche Dinge sind nur deswegen toll weil es sie nicht immer gibt.


Und das ist etwas, dass du auch zuhause umsetzen kannst.


Bild Spielzeug rotieren - Weniger Spielzeug = mehr Raum für Kreativität

Die spielzeugfreie Zeit im Kindergarten hat mir gezeigt, dass nicht immer alles zur Verfügung sein muss.

Dass es nicht alles in x Ausfertigungen geben muss.

Dass es Regeln geben kann, wann es was gibt.

Und dass mit wenigen Dingen besser umgegangen wird, als mit Überfluss (mehr dazu hier).

Ich jedenfalls habe noch kein Kinderzimmer mit zu wenig Spielzeug gesehen.


Was kannst du für euer Zuhause daraus lernen?

Natürlich könnt ihr auch eine spielzeugfreie Zeit machen. Das fände ich ziemlich toll, wir haben uns das zuhause noch nicht getraut.


Ein anderer, weniger radikaler, Weg ist es, Spielzeug zu rotieren.

  • Sortiert zuerst Dinge aus, mit denen die Kinder nur selten oder kurz spielen, auch wenn sie teuer waren oder pädagogisch wertvoll sind. Besprecht gemeinsam, was weg kann und verkauft oder verschenkt es. Kinder verstehen durchaus, dass sie damit Gutes tun können für Kinder die weniger haben.

  • Gruppiert alles andere, also zum Beispiel Puppen, Bau-Sets, Rollenspiel (Kostüme, Spielküche, Laden), Bücher, Bastelsachen, Bewegungsspielzeug, etc.

  • Im Kinderzimmer bleiben jeweils ein Teil oder Set aus ein paar wenigen (!) Kategorien. Was das sein soll, sucht ihr gemeinsam aus.

  • Begrenzt Sets auf eine sinnvolle Anzahl, also ein Stift pro Farbe, eine bestimmte Menge an Kleinkram fürs Playmobil, ein paar Puppenoutfits oder wenige Bücher und Spiele.

  • Alle anderen Sachen werden nach Kategorien in Kisten geräumt. Beschrifte die Kisten gut, damit du später nicht alles durchsuchen musst um ein Teil zu finden.

  • Die überschüssigen Sachen räumt ihr außer Reichweite der Kinder.

  • Seid am Anfang ruhig ziemlich radikal. Sollte sich zeigen, dass zu wenig da ist, könnt ihr immer noch Dinge zurück holen.

  • Überlegt gemeinsam, wie oft das Spielzeug ausgetauscht, also rotiert, wird. Auf Wunsch der Kinder? Nach festen Regeln, wie zum Beispiel einmal pro Woche die Bücher und einmal pro Monat die Spielsachen?

  • Wichtig ist, dass tatsächlich ausgetauscht wird und nicht nach und nach wieder alles zurück kommt. Wenn bestimmte Sachen eine längere Zeit nicht nachgefragt werden, könnt ihr darüber sprechen, ob sie aussortiert werden können.

  • Einzelne Lieblingssachen, wie das liebste Kuscheltier oder das Lieblingsbuch, dürfen natürlich dauerhaft im Kinderzimmer bleiben.

Wenn ihr konsequent vorgeht, wird das Kinderzimmer ziemlich leer aussehen. Fühl dich nicht schlecht deswegen. Die Sachen sind nicht weg, sondern nur „im Urlaub“.

Die Leere gibt euch auch Möglichkeiten:

  • Die übrigen Dinge können schön präsentiert werden anstatt in einer Wand aus Spielzeugkisten oder einem übervollen Bücherregal zu verschwinden.

  • Es gibt genug Platz, um tatsächlich zu spielen.

  • Es gibt weniger Ablenkung, so dass sich das Spiel auf wenige Dinge konzentrieren kann.

  • Das Aufräumen ist schnell erledigt und viel einfacher, als wenn Tetris gespielt werden muss, um alles unterzubringen.

Bild Spielzeug rotieren - Wie wäre das? Ein spielzeugfreies Zimmer

Noch ein paar ganz wichtige Hinweise: Besprecht mit den Kindern was passiert und warum ihr das tut! Die Kinder müssen wissen, dass ihre Sachen nicht für immer weg sind und dass sie mitentscheiden können, mit was sie jeweils spielen wollen. Nach ein paar Wochen zieht dann ihr ein Zwischenfazit und ändert, was nicht funktioniert. Ihr wollt gemeinsam für mehr Zufriedenheit sorgen, es darf sich für die Kinder auf keinen Fall nach einer Strafe anfühlen.


Versucht aber, der neuen Ordnung ein paar Wochen zu geben und stellt euch darauf ein, dass anders gespielt wird und dass du vielleicht zeitweise Frust und Langeweile aushalten musst.


Aber wer weiß, wie dein Kind sich entwickelt, wenn ihr den Spielsachen eine Weile frei gebt?


 

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